Zum ersten Mal ohne Punktgewinn

Zum ersten Mal ohne Punktgewinn

Erst kam der erste Satzverlust in der noch jungen Saison, dann die erste Niederlage, jetzt das erste Spiel, aus dem die Mühldorfer Drittliga-Volleyballer ohne Punktgewinn die Heimreise antreten mussten: Mit einer großen Portion Respekt waren die Mühldorfer Herren nach Mittelfranken zum TSV Zirndorf gereist. Denn auswärts war in der jüngsten Vergangenheit nie etwas Zählbares herausgesprungen. Daran sollte sich nichts ändern, am Ende stand eine 1:3-Niederlage (25:17, 14:25, 31:29, 25:22) zu Buche. Ohne Punktegewinn traten die Innstädter die Heimreise an – zum ersten Mal in dieser Saison.

Fabian Bartsch

So gut die Saison für den Neuaufsteiger aus Mühldorf begonnen hatte – sieben Siege in sieben Spielen in Folge – so sehr scheint nun der Wurm drin zu sein. Die 2:3-Niederlage gegen den Verfolger TSV Eibelstadt vor zwei Wochen war leistungsgemäß nachvollziehbar. Doch der knappe 3:2-Sieg gegen das Tabellenschlusslicht Niederviehbach tanzte bereits aus der Reihe. Und jetzt die 1:3-Niederlage gegen Zirndorf – zum ersten Mal haben die Mühldorfer keinen Punktgewinn verbucht. Muss man sich nun also Sorgen machen? Fabian Bartsch – mehrmaliger zum wertvollsten Spieler gekürter Angreifer der Mühldorfer – sagt nein: „Es war ein Spiel auf höchstem Niveau. Wenn wir den dritten Satz gewinnen, kann das gesamte Spiel anders ausgehen!“ Aber der Reihe nach…

Hauke Ferch bei der Annahme

Die Partie am Samstagabend stand von Haus aus unter keinem guten Stern. Denn: Trainer Michi Mayer schaffte es nicht nach Zirndorf. Als seine Mannschaft um 19.30 Uhr zum ersten Service schritt, stand der Mühldorfer Trainer immer noch im Stau auf der A99. Ein schwerer Unfall blockierte die Straße. Mayer hatte keine Möglichkeit nach Zirndorf zu kommen. Also übernahm Teammanager Paul Brandstetter das Coaching. Und das in einem Spiel, in dem von Beginn an Zirndorf tonangebend war. Zwar hatte der TSV Mühldorf eine Umstellung vorgenommen, man vertraute auf Hauke Ferch als Libero anstelle des zuletzt glücklosen Xander Mühlbauer. Doch Zirndorf dominierte den ersten Satz. 4:2, 11:7, 15:9 – schnell hatten sich die starken Gastgeber abgesetzt. Keine Chance für den TSV Mühldorf, der zwischenzeitlich noch herankam (16:19), aber den Satzverlust mit einem weiterhin schwächelnden Nelson auf der Diagonalposition doch nicht verhindern konnte.

Fabian Liemer beim Angriff

Mühldorf reagierte, brachte den bis auf die Fingerspitzen motivierten Fabian Liemer anstelle von Nelson ins Spiel – und die Rechnung ging auf: 4:1, 9:5, 16:9 – die Mühldorfer hatten den Spieß umgedreht. Fabian Liemer spielte wie entfesselt, servierte druckvoll, und ehe man es sich versah, stand es auch schon 23:13 für die Gäste aus der Innstadt. Verdient ging dieser Satz an die Gäste (25:14).

Was folgte, war an Dramaturgie nicht zu überbieten: Zirndorf agierte in Bestbesetzung – neben dem ehemaligen Mühldorfer Severin Bienek über Diagonal auch mit den beiden hervorragenden Außenangreifern Tim Rosenow und Lennart Kroha, der im Juni das Beach-Event in Mühldorf gewonnen hatte. Es ging hin und her, bis zum 16:17 aus Sicht von Mühldorf. Dann leichte Vorteile für die Gäste (19:17), wovon sich die Zirndorfer aber völlig unbeeindruckt zeigten.

Nico Philipeit

Eine 20:19-Führung Zirndorfs drehte Nico Philipeit im Service noch zur 23:22-Führung für den TSV Mühldorf, der in der Folge aber nicht in der Lage war, fünf Satzbälle „tot“ zu machen. Stattdessen war es Zirndorf, das den „Big-Point“ zum 31:29 machte. „Ich bin mir sicher: Wenn wir den Satz gewonnen hätten, dann wäre das Spiel anders gelaufen“, ärgert sich Fabian Bartsch ein wenig über die verpasste Chance. Er spricht aber in der Folge von einer Partie auf Messers Schneide.

„Am Ende waren es die saustarken Aufschläge von Zirndorf, die den Ausschlag über Sieg oder Niederlage gegeben haben.“ Symptomatisch: Der Matchball war ein knallhartes Ass der Zirndorfer, der Ball landete genau auf der Linie. „Wir müssen uns keine Vorwürfe machen, wir haben nicht schlecht gespielt. Zirndorf war an diesem Abend einfach einen Tick besser!“, resümiert Bartsch. Klar hätte man sich auf Seite der Mühldorfer einen Sieg gewünscht, um sich die Verfolger im Kampf um Platz eins auf Distanz zu halten. Nachdem jedoch Verfolger Friedberg beim TSV Niederviehbach einen 3:1-Sieg gefeiert hat, kommen sie dem Tabellenprimus aus Mühldorf gefährlich nahe. Nur noch ein Punkt beträgt der Vorsprung der Mühldorfer, denen zumindest die Herbstmeisterschaft nicht zu nehmen ist.

Text: Mühldorfer Anzeiger – Josef Enzinger / Bilder: Rainer Preß

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