Volleyballer dürfen in der 2. Bundesliga aufschlagen

Keine Titelvergabe durch die Coronakrise – Vorlizenzierungsprozess ist nun ausschlaggebend für das Startrecht

Die zweite Herrenmannschaft: Meister in der Bezirksliga.

Die Damenmannschaft: Meister in der Bezirksklasse.

Und die erste Herren-Mannschaft?
Die hatte das Zeug dazu, Vereinsgeschichte zu schreiben, wenn sie als Aufsteiger in die 3. Liga auch dort den Titel geholt hätte. Doch es hat nicht sollen sein. Die Ausbreitung des Corona-Virus hat dem Unternehmen Meisterschaft einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Saison fand wenige Spieltage vor der Entscheidung ein abruptes Ende. Für die Mühldorfer besonders bitter: Sie standen bis zum Abbruch auf dem zweiten Tabellenplatz, hinter dem TSV Eibelstadt, hätten rechnerisch aber noch Meister werden können.

Wie die Saison nun gewertet werden sollte, dahinter stand ein Fragezeichen. Damit verbunden reihten sich Wochen der Unsicherheit, ob Mühldorf aufsteigen darf oder nicht. Denn eines stand schon vorher fest: Der Tabellenführer Eibelstadt hatte auf ein Vorlizenzierungsverfahren für die 2. Bundesliga verzichtet, Mühldorf hingegen hatte diesen Prozess in Gang gesetzt. Jetzt heißt es seitens des Deutschen Volleyballverbandes: Mühldorf darf nächste Saison in der 2. Bundesliga aufschlagen!

Wie das gekommen ist, erklärt Mühldorfs Volleyball-Abteilungsleiter Stefan Bartsch: „Der Verband hat entschieden, dass alle Mannschaften, denen es in den noch ausstehenden Spielen rein rechnerisch nicht gelungen wäre, den Klassenerhalt zu schaffen, absteigen müssen. Das war aber in der 2. Bundesliga nicht der Fall. Auf der anderen Seite hieß es, dass alle Mannschaften aufsteigen dürften, die theoretisch dazu in der Lage gewesen wären.“ Das hätte auch die Mühldorfer betroffen, die noch drei Spiele vor sich gehabt hätten – und damit auch die Chance, Eibelstadt noch zu entthronen.

Was die Lage aber verzwickt macht: Die Südstaffel der zweiten Liga darf maximal 14 Mannschaften umfassen. Da es keinen Absteiger geben wird, schienen damit auch die Aufstiegsträume der Mühldorfer zu Ende geträumt.

Dass die Mannschaft um Trainer Michi Mayer nun aber doch einen Startplatz bekommt, liegt an der Tatsache, dass zwei der 14 Mannschaft in der 2. Bundesliga Nachwuchsmannschaften sind, die außer Konkurrenz spielen. Das heißt, dass zwei Teams nachrücken. Neben Mühldorf dürfte das wohl die Mannschaft vom TV Bliesen sein, weiß Stefan Bartsch.

Ausschlaggebend für das Startrecht war die Teilnahme am Vorlizenzierungsverfahren, an dem sich auch Mühldorf beteiligt hatte. Die Willenserklärung alleine ist dafür aber nicht ausreichend. Neben dem Erfolg gilt es auch noch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung aufzustellen für eine Saison, die laut Bartsch wohl eine Verdoppelung des Etats mit sich ziehen muss. Den Nachweis entsprechender Liquidität, um die Saison in der zweithöchsten deutschen Spielklasse zu bewältigen, muss laut Bartsch bis spätestens Mitte Mai erbracht werden. Gespräche diesbezüglich würden bereits laufen. Doch macht Bartsch keinen Hehl daraus, dass sich die Coronakrise auch in diesem Bereich voll niederschlagen werde. Es sei nur logisch, dass es nach den wirtschaftlichen Einbrüchen ebenso schwierig sein werde, finanzstarke Partner an das Unternehmen 2. Bundesliga zu binden.

Die zweite Frage, die sich stellt: „Haben wir ein Team?“ Dazu müssten in den nächsten Wochen ebenfalls Gespräche geführt werden, sagt Bartsch. Es stehe außer Frage, dass jeder Spieler Lust auf diese neue Herausforderung habe. Es gebe allerdings auch Spieler, die Job und Trainingsaufwand nur schwer unter einen Hut bringen beziehungsweise auch an ihre Leistungsgrenze stoßen würden. Im Team befinden sich Spieler, die es als Lehrer an verschiedene Orte in Bayern verschlagen könne, einer absolviere seine Ausbildung zum Polizisten, könne nicht gewährleisten, die Trainings in vollem Umfang zu besuchen.

Und dann gelte es auch noch auszuloten, welche Spieler aus dem Jugendbereich integriert werden könnten, um andererseits deren Abwanderung zu verhindern. An vielversprechenden Talenten, die das Zeug zum deutschen Meister hätten, würde es nicht mangeln. Sie hatten sich für die deutsche Meisterschaft an Ostern in Bremen qualifiziert – doch Corona machte auch diese Titelträume zunichte.

Text: Josef Enzinger, Mühldorfer Anzeiger / Bilder: Rainer Preß