Tapfer gegen die Zwei-Meter-Hünen

Tapfer gegen die Zwei-Meter-Hünen

Welcher 15-Jährige kann schon behaupten, er hätte fünf Punkte im Spiel gegen eine Bundesliga-Mannschaft gemacht.

Kilian Nennhuber kann es. Der Volleyballer des TSV Mühldorf stand zwar nicht im Stammaufgebot des Drittliga-Aufsteigers vom Inn. Doch die mit 150 Besuchern besetzte Mittelschulturnhalle jubelte am Samstag immer, als ginge es um die Weltmeisterschaft, wenn der Youngster einen Fehler des Gegners provozierte.

Denn beim Gegner handelte es sich um keinen Geringeren als um den Erstligisten WWK Herrsching, der zum Testspiel nach Mühldorf gekommen war. Und der hatte die letztjährige Spielzeit immerhin als Siebtplatzierter beendet.

Dass es zu diesem Testspiel gekommen ist, lag da ran, dass auch zwei ehemalige Mühldorfer im Team der durchschnittlich zwei Meter großen Herrschinger mitmischen. Ferdinand Tille und sein Bruder Johannes verstärken das Team, der eine als Libero, der andere mit seinen gewaltigen Aufschlägen.

Fabian Bartsch und Tom Brandstetter

Mühldorf trat in voller Mannschaftsstärke mit zwölf Mann an und ging von Beginn an voll konzentriert zu Werke. Aggressiv griffen Tom Brandstetter und Fabian Bartsch an, sorgten mit sehenswerten Bällen – bisweilen auch gegen einen Drei-Mann-Block – für Applaus in der Halle. Florian Gschwendter und Nico Philipeit überzeugten auf Mühldorfer Seite im Mittelblock, wobei vor allem Neuzugang Iven Ferch von seinen 2,08 Metern profitierte, wenn es ihm gelang, den Herrschinger Block zu knacken.

Xander Mühlbauer bei der Annahme

Beide Teams nutzten die Chance, verschiedene Spielkombinationen auszuprobieren. Auf Mühldorfer Seite war dabei Neuzugang Xander Mühlbauer gefordert, der auf der Libero-Position in dieser Saison Hauke Ferch ersetzen soll. Er musste aber wie seine Mitstreiter auf Mühldorfer Seite immer wieder anerkennen, dass zwischen Mühldorf und Herrsching doch noch ein Klassenunterschied besteht. Etwa wenn Herrschings amerikanischer Neuzugang Jalen Penrose zum Service kam. Denn nachdem Mühldorf in den Durchgängen eins und zwei zwar mithalten konnte, aber mit 16:25 und 23:25 verloren hatte, stand es in Abschnitt drei plötzlich 20:18 aus Sicht der Mühldorfer. Penrose, der vom VK CEZ Karlovarsko aus Tschechien kam und dort internationale Erfahrung in der CEV Champions League sammeln konnte, ballerte mit brachialer Gewalt und dennoch äußerst zielsicher den Aufschlag in die Hälfte der Mühldorfer, drehte quasi im Alleingang den Satz zum 25:22.

3:0 hieß es – im regulären Spielbetrieb ein klarer Drei-Satz-Sieg. Doch die beiden Trainer Michi Mayer auf TSV-Seite und der Herrschinger Max Hauser hatten sich auf vier Sätze geeinigt, in welchem der WWK Herrsching dann noch eine Schippe drauf legte und in Satz vier mit 25:16 auch klar gegen eine nun etwas erschöpft wirkende Mühldorfer Mannschaft gewann.

Lars Rommel

Kapitän Tom Brandstetter wirkte etwas enttäuscht: „Herrsching hat uns kaum eine Chance gelassen, unser Spiel aufzuziehen! Das ärgert mich etwas.“ Doch obwohl Mühldorf ohne Satzgewinn blieb, strahlte Michi Mayer anschließend über das ganze Gesicht: „Ich bin hochzufrieden mit der Spielweise meiner Jungs. Wenn die so in der 3. Liga auftreten ist mir nicht bange!“ Großes Lob äußerte Mayer gegenüber seinen drei Mittelblockern, „hier habe ich tatsächlich die Qual der Wahl, weil sie alle über eine enorme Spielstärke verfügen“. Hochzufrieden äußerte er sich auch über Lars Rommel, der sich im Zuspiel als gute Alternative zu Alex Brandstetter erwies. Beeindruckend fand auch er, wie ein Fabian Bartsch mit seiner Dynamik ein paar Mal den Herrschingern ein Bein stellte.

Eine überzeugende Vorstellung der Mühldorfer, die den euphorisierten Zuschauern schon die Mutmaßung abrang, dass Mühldorf im nächsten Jahr um den Aufstieg mitspielen werde. Doch Mayer hält den Ball flach: „Oben mitspielen“, sei das Ziel, wenn in zwei Wochen die Saison beginnt. Der VC Zschopau ist dann zu Gast (19 Uhr).

Text: Mühldorfer Anzeiger / Bilder: Rainer Preß

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