Jeder durfte mal aufs Feld

Das grenzte beinahe an Arbeitsverweigerung, was die Gäste des VSV Jena in der Drittliga-Partie gegen den TSV Mühldorf am Sonntagnachmittag in der Mittelschulturnhalle geboten haben. Keine Aufschläge, keine Annahme – insgesamt lustlos präsentierten sich die Thüringer, die tags zuvor noch beim 3:2 gegen den MTV München überrascht hatten. Mühldorf nutzte das schamlos aus, holte im sechsten Saisonspiel den sechsten Sieg.

Beim 3:1 (25:17, 25:11, 16:25, 25:15) leisteten sich die Recken um Trainer Michi Mayer allerdings eine kleine Verschnaufpause im Spiel, die den zweiten Satzverlust in dieser Saison zur Folge hatte. Für Michi Mayer nicht weiter schlimm: „Ich bin sehr zufrieden über den Ausgang der Partie. Alle Spieler haben ihre Einsätze bekommen. Und nach dem Verlust des dritten Satzes ist die Mannschaft eindrucksvoll zurück ins Spiel gekommen. Großartig Burschen!“, lobte der 39-Jährige den Einsatz seiner Truppe.

Diese hatte es von Beginn an mit einer müden Jenaer Truppe zu tun, der das Samstagsspiel noch in den Knochen zu stecken schien. Mühldorf in Sachen Dominanz am Netz, sowohl im Angriff als auch im Block, klar überlegen. Alleine der Aufschlag bereitete diesmal Probleme, zu viele Mühldorfer Bälle landeten im Netz oder hinten im Aus. Das hatte zur Folge, dass Mühldorf eine 8:4-Führung fast aus der Hand gab (11:10), dies aber nach Aufschlagserien von Alex Brandstetter zum 15:10 und zum Satzgewinn (25:17) ausbügelte. Starker Ersatz für Fabian Bartsch, der zu diesem Zeitpunkt noch die Bank hütete: Hauke Ferch über die Außenannahmeposition.

Die stete Führung war den Mühldorfern auch in Satz zwei beschieden. Der TSV, nun konzentrierter beim Aufschlag, ließ die Gäste aus Jena die Fehler machen, schnell lag die Mayer-Truppe mit 7:3 in Front.

Florian Gschwendtner, der für Iven Ferch als Mittelblocker ins Spiel kam, und Fabian Bartsch, der Außenangreifer Thomas Brandstetter eine Pause gönnte, konnten dabei den Druck auf die Gäste weiter ausbauen.

Tom Brandstetter (20) mit Bruder Alex (links) und Jonas Zusann (rechts)

Mayer bot sich bei einer 10:5-Führung dann sogar die Möglichkeit, dem erst 17-jährigen Zuspieler Jonas Zusann Spielzeit zu gewähren. Er kam in einem Doppelwechsel für Diagonalspieler Nelson, Alex Brandstetter machte Platz für Fabian Liemer. Mühldorf griff weiter munter an und zog auf 16:7 davon.

Völlig uninspirierte Jenaer versuchten es noch mit Spielerwechseln, konnten aber am bislang höchsten Satzgewinn der Mühldorfer in dieser Saison (25:11) nichts ändern.

Fast vermochte man Mitleid mit den Thüringern zu haben, die bis dato den Mühldorfern nichts entgegenzusetzen hatten. Und Michi Mayer nutzte diese Überlegenheit, um den Kontingentspielern Spielzeit zu gönnen. Der 15-jährige Kilian Nennhuber, der schon im Satz zuvor sporadische Einsätze bekam, war nun Libero erster Wahl. Youngster Jonas Zusann stand ebenfalls auf dem Feld.

Zu viel Druck für die Jungen, denn Annahmeschwächen hatten nun zur Folge, dass Jena eine 6:5-Führung der Mühldorfer zur 11:7-Führung für sich drehte. Vor allem Diagonalangreifer Yann Böhme ärgerte nun den Mühldorfer Block. Servicefehler und Pech kamen dazu, sodass Jena den Vorsprung sogar auf 18:13 ausbaute. Zum Schluss versuchte Michi Mayer, das Spiel mit Einwechslungen zu drehen, doch Mühldorf hatte mit 16:25 das Nachsehen.

Nelson (1) beim Angriff

In Satz vier vertraute Mayer dann wieder auf die Stamm-Sechs mit den Brandstetter-Brüdern, Nelson über Diagonal, sowie Gschwendtner und Nico Philipeit in der Mitte, während Xander Mühlbauer als Libero wieder für eine stabile Annahme sorgen sollte. Die Rechnung ging auf: 12:6, 16:9, 19:10, 23:12 – da war für Jena nichts mehr zu holen. Zu gut aufgelegt dann auch Zuspieler Alex Brandstetter, der seine Angreifer nach Belieben bediente und am Ende zu Recht zum wertvollsten Spieler Mühldorfs gekürt wurde.

Jenas Trainer Christian Schumann nahm die Niederlage locker: „Ich bin zufrieden mit dem einen gewonnenen Satz.“ Viel wichtiger sei für ihn der Sieg gegen MTV München am Vortag gewesen. Aufatmen und Freude bei der Abteilungsleitung des TSV Mühldorf, wobei Abteilungsleiter Stefan Bartsch vor allzu viel Euphorie warnt: „Maßgeblich zur Standortbestimmung in der 3. Liga werden die nächsten beiden Spiele sein!“. Zuerst kommt der Zweitplatzierte aus Friedberg nach Mühldorf (Sonntag, 11. November, 16 Uhr), bevor es eine Woche später zum Dritten nach Eiblstadt geht (Samstag, 16. November). Beide Mannschaften gelten als Aufstiegsaspiranten, haben bislang nur ein Spiel verloren.

Text: Mühldorfer Anzeiger – Josef Enzinger / Bilder: Rainer Preß

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