Gesundheitssport Karate?

Gesundheitssport Karate?

Interview mit Prof. Dr. med. Wolfram Mittelmeier

Ich bin mit „Karate Kid“ aufgewachsen. Sie sind selbst seit Ihrem 11. Lebensjahr begeisterter Karateka und kennen den Kult-Film aus den 80er Jahren sicher auch. Was ist klischeehafter Unsinn und was wirklich Realität an Meister Miyagi & co.?

Haushohe Luftsprünge und stundenlange sinnlose Kampfexzesse in Filmproduktionen entspringen eher den verkaufsbezogenen Sensationsinteressen der Filmindustrie. Realistisch ist die herausragende Möglichkeit der Prägung von allgemeiner Körperbeherrschung, Gleichgewicht, Koordination und Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens durch regelmäßigen Karate-Sport. Dies gilt besonders für die Entwicklung im Kindesalter, aber auch noch im höheren Lebensalter hinsichtlich Sturzprophylaxe. Ich sehe die positiven Körperreserven, besonders bezüglich der Koordinationsleistung, bei zahlreichen ehemaligen Karatesportlern, die wir bis ins höhere Alter behandeln. Ich selbst zehre auch heute noch diesbezüglich von meiner aktiven Zeit.

Karate ist also nicht diese „Hau-Drauf-Sportart“, wie sie von manchen Personen immer noch gesehen wird, sondern weist durchaus positive gesundheitliche Aspekte auf. Wie sieht es mit den Verletzungsrisiken aus?

Im Gegenteil fördert das traditionelle Karate (z.B. Shotokan, Shitu Ryu) bei regelmäßigem Training – wie oben genannt – die körperliche Entwicklung. Das Verletzungsrisiko im Training ist im Vergleich zu anderen Kampfsportarten mit Schlag- und Wurftechniken im Training relativ gering. Es gibt auch überzeugende Verletzungsstatistiken mit überzeugend geringen Risiken aus den Karate-Wettbewerben. Bei „Kata“-Sequenzen, welche überwiegend ohne „Gegner“ oder zum Teil auch in einstudierten Bewegungsabfolgen mit einem Partner durchgeführt werden, existieren besonders geringere Verletzungsrisiken. Bei Karate-Kampf-Wettbewerben („Kumite“) dürfen im Gegensatz zum traditionellen Kickboxen oder sog. Martial arts nicht gezielt Verletzungen durch Schläge oder Tritte zugefügt werden; wenn dennoch unbeabsichtigt Verletzungen auftreten, sind diese nur sehr selten mit bleibenden Funktionsstörungen verbunden (z.B. Verlust eines Zahnes, Nasenprellung, Zerrungen an Daumen oder Großzehe). Auch Dauerschäden sind im Karate eher gering einzuschätzen. Aktuell wird diesbezüglich eine breite Befragung unter Kader- und Freizeit-Karateka durchgeführt.

Quelle: medicalsports network

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