Fliegende Fäuste im Festzelt

Fliegende Fäuste im Festzelt

Sonntagmorgen, der Volksfestplatz muss sich vom Samstagabend erholen: Die Karussells stehen noch still, Crêpe und Mandelstand sind geschlossen und am Steckerlfischstand ist der Grill aus.

Die Bedienungen sortieren müde das Besteck, die wenigen Besucher trinken Kaffee oder Spezi, die Musik spielt noch nicht. Während die Gäste den Sonntag genießen, wird es für Istvan Molnar und seine Schützlinge ernst: Das Volksfestboxen beginnt in wenigen Minuten. Heuer geht es gegen den Boxclub Surman aus Ungarn. Die zehn jungen Männer und ihr Trainer Zoltán Surman kommen aus Békés, einer Stadt im Osten Ungarns. Schon zum wiederholten Male sind sie zu Besuch in Mühldorf. Trainer Surman kennt Mühldorf aus seiner aktiven Karriere: 1998 boxte er im Spatenzelt als damals 22-Jähriger. An diesem Volksfestsonntag versucht er die Jungs gut auf ihre Kämpfe vorzubereiten und zu motivieren. Doch schon im ersten Kampf zeigt sich.

Die Boxer des TSV 1860 Mühldorfs sind noch besser vorbereitet. Sie sind fit, schnell und ausdauernd. „Das ist beim Amateurboxen wichtig“, sagt Istvan Molnar, der mit den Jugendlichen zwei bis fünf Mal die Woche in Mühldorf trainiert. „Sind die Kämpfe kurz, sind sie auch schnell.“ Daher wird im Training im Amateurbereich vor allem auf Schnellkraft geachtet. Das bringt den ersten Boxern des TSV auch den Sieg. Die meisten der Jungen gehören den Altersgruppen Kadett, Junioren oder Jugend an. Das heißt, sie sind über 13, aber noch nicht volljährig. Die Kämpfe gehen über drei Runden und dauern zwei oder drei Minuten pro Runde. Bei vielen fällt auf: Nach der ersten Runde werden die Kämpfe langsamer, die Anstrengung steht den Kämpfern ins Gesicht geschrieben. Die Pause zwischen den Runden reicht nur für ein paar Schlucke Wasser, motivierende Worte und ein kurzes Ausschütteln der Arme. Dann geht es in die zweite oder dritte Runde, bevor der Ringrichter den Sieger bekannt gibt: in sechs von insgesamt neun Kämpfen können die TSV Sportler überzeugen.

In der Pause zwischen den Kämpfen zeigt Molnar den 1000 Zuschauern wie Trainingskämpfe aussehen: Beide Boxer, die antreten, sind unterschiedlich alt und dürfen deshalb lediglich einen sogenannten Sparringskampf austragen, moderiert von Molnar. „Das bedeutet, dass ein kampfähnliches Training stattfindet, es werden Handschuhe, Kopf- und Mundschutz getragen, wie bei einem echten Kampf.“ Als die beiden Burschen zaghaft beginnen, unterbricht Molnar den Kampf, um beide noch einmal zu motivieren. Molnar wertet den Kampf als unentschieden und gratuliert beiden.

Mühldorfs Trainer Istvan Molnar behandelt Tamim Amiri in einer Pause wegen Nasenblutens. Der Schiedsrichter beendete den Kampf.

Auch die restlichen Kämpfe werden meist von den Punktrichtern entschieden. Lediglich zwei Kämpfe enden vor der Entscheidung der Punktrichter. Der Mühldorfer Tamim Amiri muss mit starkem Nasenbluten seinen Kampf abbrechen, und bei Juhos István aus Ungarn wirft Trainer Surman in der dritten Runde das Handtuch.

Die Paarungen standen schon vor Sonntag fest. „Über E-mail und Telefon haben wir verabredet, welche Altersklassen und welche Gewichtsklassen wir antreten lassen“, beschreibt Molnar die Organisation: „Welcher Jugendliche antreten darf, entscheiden Trainer in Absprache mit den Athleten.“

Der erfahrenste Boxer, der für den TSV kämpft, ist Fernando Kraus. Er ist volljährig, das heißt, er tritt als einziger an diesem Tag ohne Kopfschutz gegen seinen Gegner aus Ungarn an. In den drei Runden kann er einige Schläge gut platzieren, doch es reicht nicht ganz, er verliert nach Punkten gegen Akòs Petrovszki. Trotzdem gewinnt die Boxabteilung des TSV 1860 Mühldorf mit zwölf zu sechs gegen die Gäste aus Ungarn.

Bild und Text: Mühldorfer Anzeiger

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