Die Angst vor dem dritten Satz

Erster Satz 25:20, zweiter Durchgang 25:21, und jetzt zwei Matchbälle im dritten Satz. Was sollte jetzt noch schiefgehen, da die Volleyballer des TSV Mühldorf auswärts endlich wieder einen Dreier vor Augen hatten? Nur ein Pünktchen davon entfernt? Doch Pustekuchen: Gastgeber TSV Friedberg wendete noch das Blatt, holte sich am Sonntagnachmittag noch den Satz (27:25), zerlegte Mühldorf im vierten Satz dann komplett (25:13). Froh dürfen die Mühldorfer sein, dass sie dann noch mit einem 15:9 zumindest zwei Punkte retteten.

Trainer Michael Mayer

„Es ist Angst vor dem dritten Satz“, fasst Mühldorfs Trainer Michi Mayer zwiegespalten die Partie vom Sonntag zusammen. Denn wie schon am Vortrag gegen Dachau und in den Spielen davor ist es stets der dritte Satz, in welchem die Mühldorfer ihr Spiel nicht bis zum Ende durchziehen, in Niederviehbach sogar eine 2:0-Führung noch aus der Hand gaben. „Wir haben die Chance auf den Aufstieg, jeder rechnet rum, was die Punkte betrifft. Und fehlt in der aktuellen Situation ein erfahrener Spieler, der die Jungs an die Hand und ihnen die Nervosität nimmt.“

Dabei beschwert sich Mayer nicht über die Spielweise seiner Jungs. Fabian Liemer etwa spielte wie schon am Vortag zwei hervorragende Sätze auf der Diagonalposition. „Gleich zu Beginn zwei Topaufschläge von Flo Gschwendtner und drei Blocks von Liemer – das waren fünf Punkte, die ich so nicht auf dem Schirm hatte“, so Mayer. Es waren aber wichtige Punkte, um mit Friedberg mitzuhalten. Denn ständig war Mühldorf im Rückstand, 14:16, bevor es fünf Punkte in Folge gab und gleich der erste von vier Satzbällen verwandelt wurde.

Friedberg begann wieder stark, holte sich eine 8:4-Führung, den Mühldorf egalisieren konnte (12:12). Auch das zwischenzeitliche 14:17 machte der TSV wett (18:18), um am Ende ein 25:21 zu bejubeln. Bis zum 17:17 im dritten Satz befanden sich beide Teams auf Augenhöhe. Die Vorteile jedoch (19:17 und 23:20) konnte Mühldorf nicht ummünzen, Friedberg verkürzte mit einem 27:25 auf 1:2.

Bei Mühldorf war nun komplett der Faden ab. 0:4, 2:8 stand es, als im vierten Satz Mayer per Doppelwechsel Nelson für Alex Brandstetter und Lars Rommel für Fabian Liemer brachte. „Leider zu spät“, ärgert sich Mayer. Man konnte lediglich auf 11:16 verkürzen, doch Friedberg verwandelte gleich den ersten von elf Satzbällen.

Xander Mühlbauer, der für Hauke Ferch als Libero ins Spiel gekommen war, war nun aber warmgespielt. Schnell führte Mühldorf, die mit einem starken Iven Ferch als Mittelblocker fungierten, mit 8:2, bevor sich wieder ein kleiner Schlendrian einschlich und Friedberg aufschließen ließ (11:8). Von den nun folgenden sechs Matchbällen verwandelte Mühldorf den zweiten – und kann weiter auf den Aufstieg hoffen.

Text: Josef Enzinger – Mühldorfer Anzeiger / Bilder: Rainer Preß