Das war nichts für schwache Nerven

Spannung pur war angesagt beim Spitzenspiel des TSV Mühldorf gegen die wohl beste Mannschaft der 2. Volleyball-Bundesliga, den TSV Mimmenhausen.

Zweieinhalb Stunden lang schenkten sich der ungeschlagene Zweite vom Bodensee und der Tabellenachte aus der Innstadt nichts. Beide Teams ballerten sich die Aufschläge um die Ohren, kämpfen in der Abwehr um jeden Ball und ließen nach nervenaufreibenden Spielzügen ihren Emotionen freien Raum. Am Ende aber jubelten die Gäste vom TSV Mimmenhausen. Mit 3:2 (25:14/ 23:25/ 17:25/ 25:22/ 15:8) gewannen sie auch ihr viertes Fünf-Satz-Spiel in Folge.

Und doch gab es Grund zur Freude: Einen Punkt konnten die Mühldorfer dem Klassenprimus, der nach dem Sieg über Mühldorf die Tabellenführung übernommen hat, abknöpfen. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, nachdem die Mühldorfer in der Vorwoche gegen Leipzig noch ob der zweiwöchigen Spielpause Schwächen gezeigt hatten. Das Team um Spielertrainer Christian Pampel hatte aufgrund corona-bedingter Spielabsagen sein letztes Pflichtspiel in der zweiten Bundesliga vor drei Wochen gegen Karlsruhe. Aber von Defiziten war nichts zu erkennen. Im Gegenteil: Mimmenhausen holte sich gleich eine schnelle 4:1-Führung, die sie bis zuletzt nicht mehr aus der Hand gab. Nur einmal kamen die Mühldorf auf 6:8 heran, doch riskierten sie zu viel bei ihren Aufschlägen, Mimmenhausen jedoch zog sein Spiel durch, profitierte vom angriffsfreudigen Benedikt Waldinger auf der Diagonalposition. Immer wieder peitschte er seine Angriffe diagonal ins Feld der Mühldorfer, die damit erst einmal überfordert waren (14:25).

Mühldorfs Trainer Michi Mayer musste reagieren, stellte schon im ersten Durchgang um, indem er Diagonalspieler Fabian Bartsch und Zied Chalghmi die Positionen tauschen ließ. Am Spielstand machte sich die Angriffskraft der Mühldorfer erst mit zunehmender Dauer des zweiten Satzes bemerkbar. Mühldorf befand sich mit 8:11, mit 13:16 und mit 17:20 im Hintertreffen. Dann aber fassten sich alle Spieler ein Herz, verkürzten auf 20:21, glichen zum 22:22 aus, bevor David Fecko mit harten Aufschlägen den Schlusspunkt zugunsten der Mühldorfer setzte (25:23).

Die Mühldorfer hatten nun Blut geleckt und dominierten im dritten Satz das Spiel. Bis zum 5:5 lief die Partie noch ausgeglichen.

Dann aber zündeten die Blocks auf Mühldorfer Seite, Mimmenhausens Bester, Diagonalspieler Benedikt Waldinger schwächelte zusehends und Mühldorf nutzte bei Aufschlag von Flo Gschwendtner die Chance davonzuziehen (8:5) und diesen Vorsprung kontinuierlich auszubauen. Gegen die Hammeraufschläge von Fabian Bartsch fanden die Mimmenhausener plötzlich kein Rezept mehr (15:8). Nachdem später David Fecko fünf Aufschläge in Folge ins Feld der Mimmenhausener platziert hatte (20:9), und dabei ein ums andere Mal Libero Joshua Müller schlecht aussehen ließ, resignierten die Mimmenhausener zusehends, am Ende gelang den Gästen nur noch Ergebniskosmetik (25:17).

Entsprechend selbstbewusst sollte es nun in Durchgang vier gehen. Mühldorf führte bereits mit 7:3 als Mimmenhausens Spielertrainer Christian Pampel reagierte und Heiko Schlag für Jonas Hoffmann im Außenangriff brachte. Man glich aus, plötzlich fischte Mimmenhausen alle Bälle raus, stand in der Abwehr goldrichtig und kämpfte sich heran und holte sich dank der vehementen Angriffe und knallharter Aufschlägen von Lukas Ott die Führung (13:11). Mühldorf blieb konzentriert, blieb bis zum 20:22 immer zwei Punkte im Hintertreffen, bevor Fabian Bartsch mit seinen Angriffen und Aufschlägen die Mühldorfer wieder auf Augenhöhe brachte (22:22). Eine schwer nachvollziehbare Entscheidung des Schiedsrichters Mahmoud Alburdeini, der einen gepritschten Ball des Liberos Kilian Nennhuber abpfiff, brachte dann den Satzball für Mimmenhausen. Nachdem Fabian Bartsch den Angriff darauf knapp ins Aus donnerte, hatte Mimmenhausen den Satz gewonnen (25:22).

Die Entscheidung musste also im fünften Satz fallen. Bis zum 6:7 hielt die vom Spiel schon gezeichneten Mühldorfer noch mit. Dann reihten sich zu viele Eigenfehler aneinander, während auf Mimmenhausener Seite Zuspieler Federico Cipollone in Rage spielte, dabei nicht nur glänzend zuspielte, sondern auch noch erfolgreich blockte. Mit 15:8 hatten die Gäste vom Bodensee dann auch das bessere Ende für sich.

Text: Josef Enzinger / Bilder: Rainer Preß

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