Am Ende fehlten nur zwei Punkte zum Sieg

Spannung pur in der Schlussphase der 2. Bundesliga. Was auf dem Papier wie eine leichte Aufgabe aussah, entwickelte sich für die Volleyballer des TSV Mühldorf letztlich aber harte Nuss, die nicht zu knacken war. In einem spannenden Fünfsatz-Spiel gegen den Drittletzten von der TGM Mainz-Gonsenheim wanderte der Matchball am Ende hin und her, erst nach dem sechsten folgte der Aufschrei: Die Mainzer holten den fünften Satz mit 20:18 und brachen anschließend in grenzenlosen Jubel aus, weil sie damit dem Klassenerhalt einen großen Schritt näher gerückt waren.

Die Voraussetzungen für die Partie waren nicht die Besten: Mühldorfs etatmäßiger Libero Kilian Nennhuber hatte sich am Donnerstag im Training eine Kapselverletzung an einem Finger der rechten Hand zugezogen, ein Einsatz war ausgeschlossen. Hauke Ferch musste in das Trikot des Hauptannahmespielers schlüpfen und erfüllte diese Aufgabe hervorragend. Tim Aust war ebenfalls nicht die erste Option, er war nach einer Impfung gegen Covid-19 die komplette Woche nicht im Training. Dafür war der „Capitano“ wieder zurück: Dreieinhalb Wochen nach seinem Bänderriss am linken Fuß war Tom Brandstetter wieder fit und brannte darauf, zum Saisonausklang noch einmal unterstützend ins Spielgeschehen einzugreifen.

Wo ist die Lücke? Tobi Besenböck fand sie immer wieder, 29 Punkte gingen auf sein Konto.

Mühldorf begann stark, hatte sich bis zur ersten technischen Auszeit schon ein gutes Polster herausgespielt (8:4). Doch Mainz hielt dagegen, nicht zuletzt, weil der fast zwei Meter große Zuspieler Lennart Heinz Fuchs nicht nur sehr gut zuspielte, sondern auch unglaublich gut servierte. Spielertrainer Manuel Lohmann zeigte aber, warum er schon mehrere Male zum MVP gekürt wurde. Zusammen mit seinem Mitspieler Mark Gumenjuk tat er alles, um die Angriffe von Fabian Bartsch zunichte zu machen. Alexander Brandstetters knallharter Aufschlag knackte in der Crunch-Time die Annahme der Mainzer, Mühldorf holte sich Satz eins (25:21).

In Durchgang zwei waren es zu viele Aufschlagfehler der Mühldorfer und bei den Mainzern griff die Taktik mit den beiden Liberos Hendrik Diwersy und Dominik Groß, die sich die Aufgaben in Annahme und Abwehr teilten. Selbst härteste Angriffe der Mühldorfer fischten sie aus dem Feld. Nachdem Mühldorf bereits mit 10:6 in Führung gelegen war, wendete sich das Blatt, als Fuchs zum Aufschlag kam (12:14). Trainer Mayer versuchte, mit Tim Aust für Alex Brandstetter neuen Schwung ins Team zu bringen, doch der Satzverlust war nicht mehr abzuwenden (23:25).

Wie schon in Satz zwei ließ Trainer Mayer auch im dritten Durchgang Luis Großmann für Flo Gschwendtner beginnen, und der bedankte sich für das Vertrauen mit einigen Hammerblocks, Tobi Besenböck griff beherzt an und schraubte seine Erfolgsquote (in diesem Spiel gingen 29 Punkte auf sein Konto) kontinuierlich nach oben, nachdem die Mühldorfer bereits mit 7:11 im Hintertreffen gelegen waren. Der Lohn war die Führung für die Mühldorfer (18:16), auch weil Aufschläger Charles Kahn als Joker stach. Dann gab es wieder eine Serie für Mainz (18:19), bevor Mühldorf am Zug war (21:19). Es folgte das Comeback von Tom Brandstetter, der die Angriffe der Mühldorfer verstärken sollte. Letztlich jubelte aber Mainz (24:26).

Mayer stellte um, vertraute nun Aust im Zuspiel – und der zeigte, dass ihm die Trainingspause nicht geschadet hat. Schnelle Angriffe gab es nun zu sehen, die vor allem Besenböck in die Hände spielten. Er griff klug an, schlug einige Male über den Mainzer Block und hatte großen Anteil daran, dass der deutliche Vorsprung, den sich die Mühldorfer gleich zu Beginn des vierten Satzes erarbeitet hatten, bis zum 17:13 hielt. Doch wieder glich Mainz aus (20:20), warf sich in der Abwehr gegen jeden Ball der Mühldorfer. Beim 22:23 standen die Mainzer plötzlich kurz vor dem Sieg. Doch Mühldorf gab nicht klein bei, setzte bei den Angriffen alles auf eine Karte und holte den Durchgang (26:24).

Topmotiviert ging es in Durchgang Nummer fünf, in welchem die Mühldorfer zunächst auf 3:0 davonzogen. Dann gab es die Auszeit von Mainz, dem der 3:3-Ausgleich folgte. Immer lagen die Vorteile beim TSV Mühldorf, der mit 9:7 und 12:10 dem Sieg näher war als Mainz. Unstimmigkeiten im Mühldorfer Team und Annahmeschwächen kompensierte Tim Aust damit, dass er bisweilen selbst angriff. Dass er am Ende zum MVP gekürt wurde, war der logische Lohn für seine Mühen. Die Gäste waren aber in der Abwehr immer einen Tick besser als Mühldorf, sie kämpften sich mit großer Leidenschaft heran (12:12) und wehrten sogar zwei Matchbälle ab (15:14 und 18:17). Dann war wieder Lennart Heinz Fuchs am Aufschlag, servierte geschickt und war damit Wegbereiter des 20:18-Erfolges.

Ein Spiel steht in der nun endenden Sason auf der Agenda, gegen die L. E. Volleys aus Leizig. Wegen Corona-Quarantäne musste der eigentliche Termin abgesagt werden, ein neuer steht noch nicht fest.
Text: Enzinger / Bilder: Bartsch